Indien ist ein Land der Extreme. Jeder, der schon einmal durch Indien gereist ist, hat dies am eigenen Leib erfahren. So sieht man neureiche Teenager in Bombay mit Laptop und Handy flanieren und daneben ein halbverhungertes Kind im Dreck ums Überleben kämpfen.
Indien liegt bei den maßgeblichen Sozialindikatoren (Alphabetisierungsgrad, durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs, Lebenserwartung, Kinder- und Müttersterblichkeit) deutlich hinter den meisten anderen asiatischen Staaten. Außerdem variieren die Sozialindikatoren beträchtlich nach Region, Geschlecht und Zugehörigkeit zu bestimmten Bevölkerungsgruppen.
Die Armut ist nicht nur eine Folge des Bevölkerungswachstums, sondern auch der geringen staatlichen Sozialausgaben und der nur mäßigen Ausrichtung der sozialen Dienste und des Ausbildungssystems auf die wirklich Bedürftigen.
Im Orissa leben 42 Millionen Menschen, davon 47% unter der Armutsgrenze.
Da die Bevölkerung fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebt, hat die Region rund um die Schule kaum vom Wirtschaftswachstum der letzten Jahre profitieren können.
In der öffentlichen Schule im Dorf„Nuapali“ unterrichteten im Jahr 2010 nur zwei Lehrer über 150 Schüler. Ein unhaltbarer Zustand, der die Lehrer völlig überfordert und dazu führt, dass selbst Viertklässler noch nicht lesen und schreiben können.
INDIEN - LAND DER EXTREME
ORISSA
DIE SCHULEN
Die fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebende Bevölkerung kann sich den Schulbesuch ihrer Kinder oft nicht leisten. Sogar die Finanzierung der Lebenshaltungskosten überfordert viele Eltern. Ihre Kinder müssen daher schon früh selbst für ihr Einkommen sorgen. Um dies zu verhindern, werden die SchülerInnen der Schulen nicht nur kostenlos unterrichtet, sondern können auch dort leben.
Der Unterricht der Schulen beschränkt sich nicht nur auf klassische Schulfächer, wie Englisch, Biologie oder Mathematik, sondern bietet darüber hinaus eine Ausbildung in drei weiteren praktischen Gebieten, die sich aus den Lebensbedingungen auf dem Land ergeben.
Erstens bauen die Kinder Gemüse und Früchte auf biologische und nachhaltige Weise an.
Zweitens besitzt die Schule eine kleine Milchfarm, wo die Kinder den korrekten Umgang mit Tieren lernen.
Drittens besteht ein Programm zur Gesundheitsvorsorge. Aufgrund der schlechten Gesundheitsversorgung und den schwierigen klimatischen Bedingungen in der Gegend ist ein guter Umgang mit dem eigenen Körper besonders wichtig. Zwei Mal täglich werden deshalb für etwa 45 Minuten Körperübungen gemacht oder es wird Sport getrieben.
Die ersten 45 Schüler, 2005
DIE JUNGENSCHULE
2002 gründete der Lehrer Bhagaban Dev mit bescheidenen Mitteln eine Jungenschule im Landesinneren Orissas. Er begann mit einem kleinen Gebäude und 12 Schülern. Seither ist die die Schule auf über 70 Schüler und zwölf Lehrer gewachsen.
Die Schüler erzielen jedes Jahr überdurchschnittlich gute bis ausgezeichnete Ergebnisse bei den staatlichen Prüfungen. Nach Abschluss der Schulausbildung steht ihnen der Zugang zu Universitäten offen.
Jedes Jahr bewerben sich bis zu 200 Kinder um einen Ausbildungsplatz. Leider konnten bislang nur jeweils etwa 15 Schüler aufgenommen werden, obwohl die Infrastruktur für mehr als 200 Jungen ausgelegt wäre. Es fehlen leider noch die finanziellen Mittel für einen schnelleren Ausbau.
Für jeden Schüler und jede Schülerin muss jährlich ein Betrag von etwa 400 € aufgewendet werden, welche die gesamten Kosten inklusive Lebensunterhalt, Lernmaterialien und Unterricht deckt.
Jede Spende von Ihnen hilft, einem weiteren Kind eine Schulausbildung zu ermöglichen!
Die Schulen liegen im besonders armen Landesinneren
DIE MÄDCHENSCHULE
Mädchen haben in Indien immer noch ein besonders schweres Schicksal. In vielen Familien werden sie als Belastung angesehen, da traditionell bei einer Hochzeit eine hohe Aussteuer bezahlt werden muss.
Auch werden in den öffentlichen Schulen Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet, was bei vielen Eltern auf Ablehnung stößt. Sie nehmen ihre Töchter deshalb oft bereits nach der zweiten oder dritten Klasse aus der Schule.
Um dieses Problem zu umgehen, hat sich Bhagaban Dev entschlossen, Mädchen und Jungen getrennt in zwei unabhängigen Schulen zu unterrichten. Bereits 2010 hat der Unterricht der ersten Mädchenklasse begonnen, 2011 konnte dann das erste Gebäude der Schule offiziell eingeweiht werden.
Geplant ist nun eine Erweiterung, die den Mädchen zusätzlich eine Unterkunft bieten soll. Sobald diese fertiggestellt ist, können weitere Schülerinnen aufgenommen werden. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!
Viele Mädchen dürfen die Schule nur bis zur 3. Klasse besuchen